Printemps Poétique Transfrontalier auf Lesetournee

von Eva Hoffmann

"Ich hatte schlechte Lehrer.
Das war eine gute Schule."

Lesung

Was lapidar zum Schmunzeln daherkommt, hat es zugleich faustdick in sich: So gesehen ist das zitierte Epigramm, welches Hans Arnfrid Astel als Signatur in Erinnerung an die Lesung am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt/W. in seinem Buch hinterlassen hat, bezeichnend für eine ganze Reihe literarischer Spezialitäten, die wir von ihm hören durften.

Lesung

Die MSS-Französisch-Schüler sowie die angehenden Französisch-Leistungskursschüler konnten sich am Mittwoch vor den Osterferien eine Doppelstunde lang einer deutsch-französischen Lesung hingeben, die Vielfältiger hätte kaum sein können: Fünf Dichter, ein Übersetzer und ein Musiker aus Deutschland, Belgien, Luxemburg und Frankreich trugen ihre Lyrik vor, die von heiter-süffisant über tiefgründig-schwarzhumorig, zart-liebevoll bis hin zu politisch-nachdenklich reichte; mal liebevoll ein unordentlich, unaufgeräumtes Kinderzimmer in Poesie setzend (Philippe Mathy), mal apokalyptisch-anklagend die Atomkatastrophe von Fukushima (Tom Nisse) oder das Studentenleben nachzeichnend (Ann-Kathrin Ast), allesamt musikalisch ummalt von Jean-Luc Kockler.

Zustande kam die Lesung dank des Literaturwerks Rheinland-Pfalz-Saar, die das Projekt „Printemps Poétique Transfrontalier“ mit dem Ziel ins Leben gerufen, einen überregionalen kulturell-literarischen Austausch zu ermöglichen und zu fördern. Im Zuge der Veranstaltung hielten die einzelnen Autoren an verschiedenen Orten in der Großregion Schreibresidenzen ab und starteten nun ihre gemeinsame Lesetournee.

Die französischen Texte im Original zu hören wie auch die deutschen Übersetzungen dazu, war unglaublich bereichernd, nicht nur, um den Sinn mangels ausreichender Französisch-Kenntnisse umfassend erschließen zu können, sondern auch um Fragen zu beleuchten, die generell mit der Arbeit des Übersetzens einhergehen: So wollten viele Schüler in der abschließenden Fragerunde wissen, wie denn die Herangehensweise beim Übersetzen sei - wortwörtlich am Text orientiert oder Sinn wiedergebend den Rhythmus priorisierend. Diese Gewichtung hänge mit dem Übersetzer, aber auch mit der Vorlage zusammen, erklärte Tom Nisse, der auch als Übersetzer arbeitet und selbst gerne nahe am Text bleibt.

Doch wie gut sie auch ist: Manche Wortspiele fallen der Übersetzung zum Opfer. Alain Helissens französisches Poem über seine persönliche Absage an weitere Gedichte über Vögel, die letztendlich sogar "les vers" fressen, ging in der deutschen Übersetzung die Doppeldeutigkeit verloren, da es im Französischen gleichermaßen "die Verse" und "die Würmer" heißt.

Eine Lesung, die lange in Erinnerung bleiben wird, nicht wie manch Telefonnummer:

MATCH
Für die Dauer unserer Beziehung
schreibe ich deine Telefonnummer
auf eine Streichholzschachtel.

Aus Hans Arnfrid Astels Exemplar "Wohin der Hase läuft, ein Geschenk an die Schulbibliothek."

Pfalzpreis für Literatur

Der Bezirksverband Pfalz schreibt im Jahr 2016 wieder einen Pfalzpreis für Literatur aus.

Weitere Informationen finden Sie hier, den Bewerbungsbogen können Sie direkt hier herunterladen (pdf-Format).

Kultursommer 2016

KultursommerMit zahlreichen Veranstaltungen in verschiedenen rheinland-pfälzischen Städten beteiligt sich das Literaturwerk am Kultursommer 2016.

Alle Informationen finden Sie hier: Kultursommer 2016.

Textwerkstatt für Autorinnen und Autoren

mit Kurt Drawert am 18. und 19. Juni 2016 in Mainz

Wer Prosa schreiben will, muss die formalen und dramaturgischen Gesetze des gewählten Genres genau kennen. Nur glaubwürdige, komplexe Figuren laden die Leserin, den Leser ein, sich intensiver mit ihnen zu befassen. Dramaturgie, Tonfall, Zeitebenen, Erzählperspektive, sind weitere zentrale Komponenten des erfolgreichen literarischen Schreibens.

Die Textwerkstatt des rheinland-pfälzischen Literaturwerks will dazu beitragen, die Potenziale und Stärken von Autorinnen und Autoren in Prosa und Lyrik – also den jeweils eigenen Stil – zu fördern, gleichzeitig aber auch den Blick für Form und Struktur des epischen und lyrischen Schreibens öffnen und schulen.
Der Blick von außen ist dabei mehr als die Rückmeldung von Autorenkolleginnen und -kollegen zur Wirkung des eigenen Textes auf andere. Er eröffnet auch die Möglichkeit einer kritisch wertschätzenden Reflexion über den eigenen Text, seine Motive, seine Stärken und Schwächen, und bietet damit die Chance, den eigenen professionellen Blick zu schärfen.
In der Textwerkstatt steht deshalb die intensive Analyse des eigenen Textes im Hinblick auf seine Absicht, seine Gestaltungsform und seine Wirkung, im Vordergrund. Übungen, in denen grundlegendes Fachwissen zur Erzählstruktur oder der formalen und rhythmischen Gestaltung von lyrischen Texten vermittelt werden, begleiten die Textarbeit.
In den bisherigen Seminaren hat sich die Arbeit in einer Gruppe mit maximal 15 Personen bewährt. Anmeldungen werden deshalb nach der Reihenfolge des Eingangs der Teilnahmegebühr angenommen.

Das Anmeldeformular können Sie hier herunterladen.

Teilnahmekriterien:

Zum Dozenten und Autor Kurt Drawert: Er studierte am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig, ist freier Schriftsteller und lebt seit 1996 in Darmstadt, Seit 2004 leitet er dort das bundesweit renommierte Zentrum für junge Literatur. Seine eigenen Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Weitere Infos: www.kurtdrawert.de

Printemps Poétique Transfrontalier

Ann Kathrin AstZur Förderung der Lyrik rufen das Kulturzentrum Kulturfabrik in Esch-sur-Alzette, die Maison de la Poésie in Namur, das Centre Culturel d’Aubange, die Amis de la Poésie, der Verlag Aspects und das Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar ein längerfristiges und entwicklungsfähiges Projekt in der Großregion ins Leben. Die dritte Ausgabe des „Printemps Poétique Transfrontalier“ findet im März 2016 statt.

Detaillierte Informationen entnehmen Sie bitte dem Programmheft (pdf)

Darüber hinaus findet eine Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern der Klassen 10-12 in Neustadt/W. statt.

Das Projekt wurde möglich durch Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz.

Das Foto zeigt Ann-Kathrin Ast, geboren 1986 in Speyer, Lyrikerin und tätig als Cellolehrerin.

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